GGL-Schwarzmarktstudie: Stake meistgenannt, Krypto als neue Entwicklung – was der Endbericht belegt

Am 16. März 2026 hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder die Ergebnisse ihrer Schwarzmarkt-Studie veröffentlicht: Auf unerlaubte Angebote entfallen demnach 22,97 % des Online-Glücksspielmarkts. Der Endbericht des Blockchain Research Lab geht weiter als die Meldung. Er beschreibt Kryptowährungen als neue Entwicklung im Schwarzmarkt und nennt Stake.com den am häufigsten genannten nicht lizenzierten Anbieter der Befragung. Wir ordnen ein, was die Zahlen belegen, was nicht und was das für Spieler in Deutschland heißt.

Was die GGL veröffentlicht hat und was im Endbericht steht

Am 16. März 2026 hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) die Ergebnisse einer von ihr beauftragten Untersuchung veröffentlicht. Durchgeführt hat sie die Blockchain Research Lab gGmbH, Studienleiter ist Dr. Fred Steinmetz. Laut der Meldung der GGL liegt das Marktvolumen unerlaubter Online-Glücksspiele bei 22,97 %, daraus ergebe sich eine Kanalisierungsquote von 77,03 %.

Meldung und Dokument tragen zwei Titel für dieselbe Arbeit: Die Behörde führt sie als „Untersuchung des Schwarzmarktes und der Kanalisierung von Glücksspielen im Internet anhand einer Befragung von Glücksspielenden“, das Dokument selbst heißt „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ und steht als Endbericht bereit. Er ist auf den 29. Dezember 2025 datiert und liegt in einer Aktualisierung vom 27. April 2026 vor; Teil I bewertet bekannte Schätzmethoden, Teil II wertet die Spielerbefragung aus (S. 1).

Die Quote von 77,03 % steht so nicht im Bericht: Das Wort Kanalisierungsquote kommt dort nicht vor, der Wert ist die Differenz zu den 22,97 %. Die Ergebnisse fließen nach Angaben der Behörde in die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 ein; im Tätigkeitsbericht 2025 vom 3. Juli 2026 übernimmt die Behörde die Hochrechnung von 547 Mio. € für 2024 mit Verweis auf die Studie.

Wie die 22,97 Prozent zustande kommen

Grundlage ist eine Online-Befragung über einen deutschen Panelanbieter im November 2024. Befragt wurden 2.000 Personen, die in den zwölf Monaten davor Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Casinospiele oder Online-Poker im Internet gespielt hatten; Online-Lotto allein genügte für die Teilnahme nicht (S. 70). Den Lizenzstatus ordneten die Autoren nach der zum Erhebungszeitpunkt gültigen Whitelist der GGL (Stand 26. April 2024) zu, ergänzt um bekannte nicht lizenzierte Angebote aus dem Austausch mit der Behörde (S. 71).

Die 22,97 % sind kein erfasster Umsatz, sondern der Anteil nicht lizenzierter Angebote an den selbst angegebenen Verlusten, die die Autoren dem Bruttospielertrag gleichsetzen (S. 109–110). Diesen Anteil übertragen sie auf den Bruttospielertrag des erlaubten Online-Markts: rund 466 Mio. € für 2023 und 547 Mio. € für 2024, ausgehend von 1,564 bzw. 1,834 Mrd. € im erlaubten Segment, wobei der Referenzwert für 2024 aus damals unveröffentlichten Angaben der Behörde stammt (S. 111–112). Knapp ein Drittel der ausgewerteten Befragten (32,8 %) nutzte mindestens ein nicht lizenziertes Angebot, 16,47 % ausschließlich solche (S. 74–75). Die Stichprobe ist ausdrücklich nicht repräsentativ (S. 70); im Vorwort nennen die Autoren das Dokument eine Kurzfassung, deren Kennzahlen für sich genommen nur begrenzt aussagekräftig seien (S. 2).

KennzahlWertFundstelle
Auftraggeber und DurchführungGGL; Blockchain Research Lab gGmbH (Fred Steinmetz, Ingo Fiedler, Lennart Ante, Kaja Kopiec)S. 1
VeröffentlichungBericht vom 29.12.2025, Aktualisierung vom 27.04.2026; GGL-Meldung am 16.03.2026S. 1; GGL-Meldung
MethodeOnline-Befragung über ein kommerzielles Panel, ohne Gewichtung, ausdrücklich nicht repräsentativS. 70
Stichprobe2.000 Befragte, Erhebung im November 2024; bis zu sieben genutzte Angebote je PersonS. 70
Bezugsjahrzwölf Monate vor der Befragung; Hochrechnung auf 2023 und 2024S. 70, 111–112
Marktanteil unerlaubt20,3 % der 4.027 Nennungen, 22,38 % der Einsätze, 22,97 % der VerlusteS. 72, 110
Kanalisierungsquote77,03 % (100 % minus 22,97 %); im Bericht selbst nicht ausgewiesenGGL-Meldung

Quelle: Endbericht „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ im Auftrag der GGL (Aktualisierung vom 27. April 2026), Seitenzahlen des PDF; Kanalisierungsquote aus der GGL-Meldung vom 16. März 2026; eigene Zusammenstellung (Stand 17. September 2026).

Krypto im Schwarzmarkt: was die Studie konkret sagt

Kryptowährungen kommen in beiden Teilen vor: im ersten als neue Entwicklung, die das Monitoring abbilden müsse, im zweiten über stake.com. Eine eigene Kennzahl für Krypto-Glücksspiel enthält die Studie nicht: Der Fragebogen fragt nach Anbietern, Einsätzen, Verlusten und Demografie, nicht nach Zahlungsmitteln (S. 125–128). Welcher Teil der 22,97 % über Bitcoin, Ethereum oder Stablecoins lief, lässt sich daraus nicht ablesen.

BefundWas im Bericht stehtSeite
ZahlungswegeIn Deutschland nutzen nicht lizenzierte Anbieter häufig E-Wallets, Kryptowährungen (Bitcoin, Ethereum), Prepaid-Karten und teils verschleierte Banküberweisungen über DritteS. 54
Blockchain-TransparenzTransaktionen gängiger Netzwerke sind öffentlich einsehbar; bei Anbietern wie stake.com lassen sich Ein- und Auszahlungen beobachten und die interagierenden Wallets auswertenS. 66–67
Dezentrale Glücksspiel-Appsbisher keine nennenswerte Akzeptanz, weil die Nutzung technisches Know-how voraussetztS. 67
Namentlich genannte Angebotestake.com (Medium Rare N.V., Curaçao), rollbit.com (Bull Gaming N.V., Curaçao), polymarket.com (Adventure One QSS Inc., USA)S. 67
Nennungen in der BefragungStake.com meistgenannt im nicht lizenzierten Segment: 54 Nennungen (Casino) und 40 (Sportwetten); Tipico im erlaubten Markt: 406S. 97–98
Profil von StakeWerbung mit bekannten Persönlichkeiten, Sport-Sponsoring und „die ausschließliche Akzeptanz von Kryptowährungen“ für Ein- und Auszahlungen sowie EinsätzeS. 115
Selbstauskunft zu Stake (Casino)im Mittel 2.703,70 € Einsatz und 772,63 € Verlust pro Monat (54 Nennungen); über alle lizenzierten Anbieter: 345,90 € VerlustS. 101, 103
Empfehlung der Autorentechnologische Innovationen wie Krypto-Angebote und internationale Plattformen müssten regulatorisch stärker berücksichtigt werden; das Monitoring soll Krypto-Zahlungen und -Einsätze einbeziehenS. 4, 124

Quelle: Endbericht „Die Vermessung des Schwarzmarktes für Onlineglücksspiel in Deutschland“ (Aktualisierung vom 27. April 2026), Seitenzahlen des PDF; in Anführungszeichen der Wortlaut, sonst sinngemäß; Nennungen und Beträge sind Selbstauskünfte der Befragten, keine Anbieter- oder Registerdaten (Stand 17. September 2026).

Die Aussage zu den Zahlungswegen steht im Literaturteil über Erkennungsverfahren, nicht in der Befragung (S. 52–54); die Angaben zu Stake stammen aus den Antworten der Befragten.

Meistgenannt heißt nicht marktführend

Im Diskussionsteil heißt es, Stake.com sei „mit Abstand“ der am häufigsten genannte nicht-lizenzierte Anbieter (S. 119). Das beschreibt Nennungen in einer Panelbefragung, nicht Umsatz oder Marktanteil; Marktanteile einzelner Marken weist die Studie nirgends aus. Drei Gründe, die Zahl vorsichtig zu lesen:

  • Kleine Fallzahlen: Auf Stake entfallen 54 plus 40 von 816 Nennungen im nicht lizenzierten Segment. Die Autoren halten selbst fest, dass Schätzungen bei kleinen Fallzahlen einzelner Anbieter instabil werden können (S. 121).
  • Knapper Abstand: Addiert man beide Einträge je Marke, stehen 94 Nennungen für Stake 81 für Lottohelden.de gegenüber, das die Studie ebenfalls im nicht lizenzierten Segment führt (S. 98).
  • Stichprobe: Rekrutiert wurde über ein kommerzielles Online-Panel ohne Gewichtung; technikaffine Personen könnten überrepräsentiert sein (S. 70, 120).

Wie die Befragten auf Stake zugriffen, erhebt die Studie nicht. Nach den Nutzungsbedingungen, die der Beitrag Ist Stake.com aus Deutschland illegal? auswertet, zählt Deutschland zu den ausgeschlossenen Ländern; ob das im Befragungszeitraum galt, sagt der Bericht nicht.

Was das für Spieler in Deutschland bedeutet

An der Rechtslage ändert die Studie nichts: Sie ist eine Marktvermessung, keine Norm und keine Verfügung. Angebote ohne deutsche Erlaubnis bleiben unerlaubtes Glücksspiel; die Einordnung steht im Ratgeber Sind Krypto-Casinos in Deutschland legal?. Bemerkenswert ist, dass eine im Auftrag der Aufsicht erstellte Untersuchung Krypto-Angebote ausdrücklich zum Regulierungsthema erklärt und Stake namentlich anführt (S. 124).

  • Pseudonym ist nicht unsichtbar: Transaktionen gängiger Blockchains bleiben dauerhaft einsehbar; Ein- und Auszahlungen an bekannte Anbieter-Adressen lassen sich laut Studie beobachten (S. 66–67). Ob Behörden das tun, sagt der Bericht nicht.
  • Kein Schutzrahmen: Einzahlungslimit, Einsatzgrenzen und Sperrdatei gelten nur im erlaubten Markt. Wer ausschließlich nicht lizenzierte Angebote nutzte, gab im Mittel 475,07 € Verlust pro Monat an, wer nur erlaubte Angebote nutzte, 357,55 € (S. 92–93). Das ist ein Zusammenhang aus einer einmaligen Erhebung; kausale Schlüsse schließen die Autoren ausdrücklich aus (S. 122). Hilfe und Sperrmöglichkeiten: Verantwortungsvoll spielen.
  • Lizenz und AGB vor dem Konto: Ob eine angegebene Lizenz im Register der ausstellenden Behörde steht und ob die Nutzungsbedingungen Deutschland ausschließen, lässt sich vor jeder Registrierung nachlesen – falsche Standortangaben werten viele Anbieter als Verstoß.

Die GGL plant laut ihrer Meldung, die Befragung fortzuführen. Erst eine zweite Erhebung zeigt, ob sich der Anteil unerlaubter Angebote und die Rolle von Krypto-Plattformen verändern.

Quellen

Häufige Fragen

Nicht lizenzierte Angebote kommen in der Befragung auf 22,97 % der selbst angegebenen Verluste und 22,38 % der Einsätze. Hochgerechnet auf den Bruttospielertrag des erlaubten Online-Markts ergibt das rund 466 Mio. € für 2023 und 547 Mio. € für 2024. Die Stichprobe von 2.000 Personen ist nicht repräsentativ.

Die Studie nennt Stake.com den am häufigsten genannten nicht lizenzierten Anbieter der Befragung: 94 von 816 Nennungen in diesem Segment, Casino und Sportwetten zusammengezählt. Einen Marktanteil für Stake oder andere Marken weist sie nicht aus.

Nein. Der Fragebogen enthält keine Frage zu Zahlungsmitteln. Die Autoren empfehlen, Krypto-Angebote künftig stärker zu berücksichtigen, und beschreiben die Auswertung öffentlicher Blockchain-Daten als mögliche Methode.

Jonas Reinhardt
Jonas ReinhardtChefredakteur & Testleiter

Leitet die Redaktion, verantwortet Ranking und Testberichte und gibt jede Bewertung frei.

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